Read Reiche Mädchen by Silke Scheuermann Online

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ber den Autor und weitere MitwirkendeSilke Scheuermann, geboren 1973 in Karlsruhe, lebt in Frankfurt am Main Sie studierte Theater und Literaturwissenschaften in Frankfurt, Leipzig und Paris und arbeitete am Germanistischen Institut der Universit t Frankfurt Neben Kritiken ver ffentlicht sie Gedichte und Erz hlungen in Zeitschriften und Anthologien und erhielt mehrere Stipendien und Literaturpreise, darunter den Leonce und Lena Preis der Stadt Darmstadt und zuletzt das Literaturstipendium in der Villa Aurora in Los Angeles 2005 wird Silke Scheuermann Dresdner Stadtschreiberin sein 2001 erschien ihr Lyrikdebut Der Tag an dem die M wen zweistimmig sangen , 2004 der Gedichtband Der z rtlichste Punkt im All beide bei Suhrkamp erschienen REICHE M DCHEN ist ihr Prosadebut.Leseprobe Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber Alle Rechte vorbehalten Immer vor Gewittern , sagte sie sp ter, als sie am Fenster sa en, mit Aperitifs und Erdn ssen aus der Minibar, immer vor Gewittern bist du am besten, das habe nun ausnahmsweise einmal ich herausgefunden , sie spielte mit der Fernbedienung, nat rlich, sie mu te ausgerechnet in den trautesten Minuten ihrer Zweisamkeit mit dem Herumzappen anfangen und noch mindestens vier blonde Moderatorinnen, ein leuk miekrankes Kind, eine Million rsehefrau und eine Horde verzottelter Demonstranten ins Zimmer zu holen Zum Gl ck blieb sie einigerma en schnell im dritten Programm h ngen, Tatort , sagte sie mit einer Begeisterung, die ihm merkw rdig vorkam angesichts der Tatsache, da es sich um eine in regelm igen Abst nden ausgestrahlte Serie handelte, das ist Kommissar Brinkmann Carl war sich nach drei Minuten sicher, da sie diese Tatort Folge schon gesehen hatten, diese Baugrube, aus der sie die Leiche holten, kam ihm ausgesprochen bekannt vor, und er verd chtigte sofort die rothaarige Witwe, wof r es eigentlich gar keinen Grund gab, aber er schwieg, strich nur Sofie mit der Hand ber den R cken und sagte Aber wenn es losgeht, machst du aus, ja Noch vor dem ersten Donnergrollen war der Film zu Ende, sie warteten, sie hatte erstaunlicherweise darauf bestanden, da nicht ein einzelner Sessel, sondern das ganze Sofa ans Fenster ger ckt wurde, und zufrieden ber ihr h fliches Interesse an seiner Wetterforschung, hatte er es, unter chzen und St hnen, bewerkstelligt Nach ein paar Minuten, in denen die andauernde Stille ihn immer mehr erwarten machte, sagte Carl In alten Zeiten glaubten die Menschen, Blitz und Donner seien die Waffen von G ttern und Zeichen ihres Zorns, heute wissen wir, da es Naturerscheinungen sind , und Sofie bemerkte, friedlich in seinen Arm gekuschelt Sch ne Erscheinungen.Nichts regte sich, aber er wu te, was da drau en, unsichtbar, gerade passierte, da die warme, feuchte Luft sehr schnell in die hohen, kalten Bereiche der Lufth lle gerissen wurde, und nach noch mehr qu lenden Minuten, endlich, sah er dann tats chlich, wie riesige Wolkent rme sich aufbauten, Cumulonimbuswolken, Gewitterwolken gerne verwechselt mit Cumuluswolken, Sch nwetterwolken , einer gigantischen, himmlischen Blumenkohlzucht nicht un hnlich Er puffte Sofie in die Seite und fl sterte Sieh doch , und sie hielt ausnahmsweise still, sagte kein Wort, schnaubte nicht einmal, sondern schaute mit ihm zu, wie einzelne Sonnenstrahlen als feine Risse durch die Wolken drangen Er fand diese St rke des Lichts ehrfuchtgebietend, sie erinnerte ihn wieder daran, da dort oben eine Instanz thronte, Gott, fordernd, m chtig, niemals m de Carl unterdr ckte seinen Impuls, zu winken, den Wolken entgegenzuwinken Dann kam der Donner Er sah einen verzweigten Blitz zucken Der Himmel war pl tzlich mit Str hnchen frisiert Doch so famos das aussah, es waren nichts weiter als normale Gabelblitze, nichts Ungew hnliches, und er war ein wenig entt uscht Abgesehen davon fiel ihm zum ersten Mal die hnlichkeit mit einer Krampfader auf Jetzt , sagte er gepre t.Aber das war auch schon alles gewesen Wasser prasselte wie eine zus tzliche Wand aus dem grauen Nichts, er h rte die Anlasser von Autos, und weiter weg sah er ein rotes, rundes Licht, das vermutlich, nein, ziemlich sicher, ein Scheinwerfer war Die Welt drau en schwamm unter seinem Blick davon Er war ma los entt uscht Es mu te an seiner Konzentration gelegen haben, anders konnte er sich das nicht erkl ren Oder war das Runde, Rote doch kein Scheinwerfer gewesen, sondern in kleiner, ganz kleiner Kugelblitz Schon vorbei , sagte Sofie vorsichtig, und er sagte aus einem Impuls heraus Da war einer, nicht so gro , aber es klang nicht sehr glaubhaft, nicht einmal vor sich selbst Doch exakt aus diesem Grund trieb er es noch auf die Spitze, indem er sie fragte Hast du ihn gesehen Er fragte auffordernd und ein wenig resigniert, er hoffte, sie w rde nicht bemerken, da er den Tr nen nahe war Aber nein, sie wirkte unsicher, geradezu eingesch chtert Ich wei nicht, ja, doch, ich glaube , sagte Sofie, er verstand nicht gleich, aber es war die Antwort auf seine Frage, damit sagte sie nichts weniger, als da sie diesmal etwas gesehen hatte, sie, nicht er Nicht zu fassen, konnte es sein, da in diesem Fall sie die schnelleren Augen, den konzentrierten Blick gehabt hatte Er sah sie an, sie l chelte verst rt, freundlich, kein bi chen ironisch, als w re sie berrumpelt vom Vorgefallenen In seinem Kopf ratterte es wenn sie auf einmal ber seine F higkeit verf gte konnte es denn sein, da da ein Austausch stattgefunden hatte, sich die Energie von einem auf den anderen K rper bertragen hatte Doch, das hielt er durchaus f r m glich Du hast also etwas gesehen , bekr ftigte er mehr als da er fragte, und sie schaute ihn liebevoll an, so ein rundes, orangefarbenes Ding, nicht wahr, genau, das hab ich gesehen.Carl berlegte, ob er auf die M glichkeit von Scheinwerfern zu sprechen kommen sollte, andererseits war dahinten, am Waldst ck, ein Auto doch mehr als unwahrscheinlich, und die praktische Sofie h tte, wenn es sich um solche gehandelt h tte, mit Sicherheit kein Blatt vor den Mund genommen Und fragte er, ich meine, wie fandest du ihn Dabei umarmte er sie so fest, da er kaum ihre in seine Schulter genuschelte Antwort h rte, sehr sch n.Aber er wu te, da dies viel, sehr viel mehr war als nur sehr sch n, es war ein Wunder, denn das hie , da es so war, da sie gemeinsam imstande waren, ins Unbekannte vorzudringen, die Grenzen ihrer Erfahrung zu verschieben und vielleicht nach einer echten Suche Erkenntnisse zu gewinnen, die schwer zu erlangen waren, ja, so mu te es sein, welche Gabe Und du wirst morgen nicht behaupten, das h ttest du nur mir zuliebe gesagt wollte er sicherheitshalber wissen, sie erwiderte Nein, werde ich nicht Ich habe doch gesagt, ich mag Gewitter , aber noch w hrend Sofie nun immer wortreicher das Gesehene best tigte und er sie dabei dr ckte und herzte, formte sich in seinem Kopf eine neue Theorie, eine, die davon handelte, da sich F higkeiten zwar bertragen konnten, die Voraussetzung daf r jedoch war, da zwischen zwei Menschen eine Liebe bestand, so enorm, da das Unsichtbare sichtbar und das Unh rbare h rbar wurde, eine Liebe, die sogar zulie , da Sofie jetzt ungeduldig fragte K nnen wir endlich etwas zu essen bestellen und dabei ein Gesicht machte, als h tte sie in jeder Hinsicht gewonnen Er ignorierte das, denn er war gl cklich Die ganze Welt war ein Lampenschirm, und er war das Licht....

Title : Reiche Mädchen
Author :
Rating :
ISBN : 0111111111
ISBN13 : 978-3895613708
Format Type : PDF
Language : Deutsch
Publisher : Sch ffling Auflage 3 1 Februar 2005
Number of Pages : 295 Pages
File Size : 889 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Reiche Mädchen Reviews

  • Timo Brandt
    2019-05-08 00:39

    "Besorgt fragte mich Timo anschließend, alles in Ordnung bei dir, und ich wurde abwechselnd rot und weiß vor Verlegenheit und in diese Markise verliebte sich Timo sofort."Wenn es um Erzählungen geht wird der Gesamteindruck beinahe immer die Sprache überlagern. Es liegt in der Natur guter Kurzgeschichten und Erzählungen, dass sie meistens (wenn sie gut sind) als etwas Einmaliges, beinahe Gegenständliches gesehen werden, in Gegensatz zum Roman, der meist mehr als zwei Seiten einer Münze in sich trägt; wo jener zeigt, was nur der Roman geduldig offenbaren kann, hat eine Erzählung ein Ziel, einen einzelnen Tonfall, einen Punkt, auf den sich alles Bemerkte, Empfundene und Operierende hinziehtMan merkt dem Tonfall der Geschichten an, dass hier eine Dichterin am Werk war. Eine Dichterin, die sich auch an Erzählungen versuchen wollte und die dies mit der vollendeten Verfolgung ihrer sprachlichen Möglichkeiten tut. Scheuermanns [[ASIN:351841593X Gedichte] gehören sprachlich zu dem wertvollsten, was ich in den letzten Jahren gelesen habe. Und auch erzählerisch hat sie eine bestechende Note in ihrer Prosa und einiges zu bieten, wo bei auch hier der sprachliche Schwung, Tanz und Fluss am stärksten das Bild ihrer Texte prägt."Der Glatzkopf, hinter dem sie hereingekommen ist, sitzt schon da, und er fühlt sich sichtlich wohl, denn halb auf seinem Schoß, halb an ihn gelehnt hat er ein Mädchen mit langen roten Haaren, das er mit den Händen um den Bauch knapp unterhalb der Brüste umklammert, und die beiden aneinandergelehnten Köpfe, der glatte und der haarige, grinsen so breit, dass das Grinsen von einem Gesicht zum anderen führt und die beiden Körper verbindet wie ein Gürtel."Die 7 Texte handeln beinahe allesamt von Einsamkeit und dem Versuch ihr zu entfliehen, vor allem in dem man anderen Zugang zu sich gewährt und hofft, dass sie die Einsamkeit und die Wichtigkeit des eigenen, empfundenen Wesens und seiner Vorstellungen erweitern, vielleicht sogar zu einer Zweisamkeit werden lassen. Zwischen dem Wunsch, dem Panorama des Möglichen und den kleinen Wünschen des scheinbar Unmöglichen gefangen, suchen Frauen, alte Männer, junge Mädchen ihre Obsessionen zu kontrollieren und auf einer höheren Ebene zu erfüllen. Der Leser begleitet sie auf einem Spiel mit sich selbst, in dem die Momente, in denen man dem Ziel so nah ist, sich fast wie Glück anfühlen, alles andere oft wie die nächtliche Kälte vor der eigenen Haustür. Wenig Happy End Stimmung, dafür sehr oft eine Ahnung, eine Präsens in unseren Erfahrungen, die Scheuermann sehr gut wiederzugeben versteht. Mit sprachlich überraschend nah an den Empfindungen des Lesers anbauenden Umschreibungen, treibt sie uns sehr tief, wie einen Pfahl, in ihre eigenen Erzählungen. "Glück, das ist immer nur im Vorübergehen", wie Mascha Kaléko schrieb - Scheuermann setzt es in Szene, ohne diese Umstand zu verteufeln, sondern in dem Versuch ihn ganz konkret und ganz nah abzubilden, in allen seinen Ausformungen.Die reflexive Kraft vieler Zeilen in diesem Buch ist immens - trotzdem ist das Lesevergnügen ein durch die Undurchdringlichkeit der allzu klaren Prosa geteiltes. Erbauend ist das Erlebnis und zugleich ernüchternd, wie ein Absageschreiben zu einem Termin mit dem Glück, wie ein Ablehnungsschreiben eines Manuskripts über die Schönheit. Beides hat in Scheuermanns Erzählungen nur begrenzten Platz und sie teilt uns mit, dass auch dieser kleine Platz zum Teil aus Glück auf Kredit besteht, keinem wahren Glück. Was wahres Glück ist, damit lässt sie uns im Windschatten unserer nun (nach der Lektüre) gedämpften Träume allein. Trotzdem: es sind keinen willkürlichen, sondern sehr nahe gehende Geschichten. Bewundernswert in ihrer ganzen Form, ohne Frage, auch wenn diese Form ein Raum mit wenigen Fenstern und vielleicht keiner einzigen Tür ist."Die ganze Welt war ein Lampenschirm, und er war das Licht."

  • kfir
    2019-05-11 20:28

    Ich mag keine Kurzgeschichten, habe sie noch nie richtig gemocht. Kaum fangen sie an, hören sie auch schon wieder auf. Das lohnt doch gar nicht, das ist meine Einstellung seit Schulzeiten. Zeit, dies zu revidieren?Hier haben wir gleich sieben Kurzgeschichten, in denen die Hauptpersonen junge Frauen spielen, jede mit einem kurzen Ausschnitt aus ihrem Liebesleben. Die beschriebenen Szenen sind thematisch sehr interessant und die Charaktere sehr fein und lebendig gezeichnet. Davon leben diese Kurzgeschichten, von der aussergewöhnlichen Intensität und Gewähltheit der Sprache. Ich war begeistert. Leider gibt die Autorin sich und den Geschichten nicht mehr Platz um sich mehr zu entfalten, ich hätte noch stundenlang weiterlesen können und mögen.Ich mochte noch nie Kurzgeschichten, und jetzt mag ich sie irgendwie noch weniger. Kaum fangen sie an, hören sie auch schon wieder auf. Trotzdem schön, diese hier gelesen zu haben.

  • H. P. Roentgen
    2019-04-22 22:19

    Franziska hat es geschafft. Sie hat eine Stelle an der Universität, an der sie auch studiert hat, einen lieben Freund namens Timo und eigentlich findet sie, dass sie allen Grund zum Glücklichsein hat. Leider gibt es da Simon. Der ist verheiratet und ebenfalls an der Universität. Und immer wieder landen beide im Bett, immer wieder stellt sie ihm nach, ihr ganzes Leben stellt sie auf diesen Lover ein, verfolgt Vorträge, nur weil sie ihn dort treffen könnte. Im Bett liegen die beiden Haut an Haut, doch gleichzeitig liegen Lichtjahre zwischen ihnen.Nicht grade neu, das Thema. Aber Silke Scheuermann versteht es, ihre Geschichte so intensiv zu erzählen, dass sie dem Leser so schnell nicht mehr aus dem Kopf geht. Wir spüren, wie die Ich-Erzählerin ihrem Kollegen verfallen ist, ihr Körper sie treibt, die Sicherungen gesprengt werden und dann zum Schluss ...Eine faszinierende Erzählung, die ein altes Thema ganz neu beleuchtet, perfekt gemacht, mit eindrücklichen Personen. Auch stilistisch kann diese Erzählung überzeugen, obwohl die Autorin den modernen, unaufgeregten Stil verwendet, der heute als „literarisch" gilt. Aber anders als die anderen Fräulein-Wunder, anders als die vielen Epigonen in Schreibseminaren und Diskussionsrunden beherrscht sie ihn und zeigt, dass auch in der Literatur, nicht anders als in der Medizin die Dosis das Gift macht.Sechs weitere Erzählungen enthält das Bändchen.- Von Lisa, die im Frankfurter Rotlichtviertel eine Verabredung, ein blind date hat, davon ihrer Freundin erzählt und diese wiederum lässt diese Erzählung Revue passieren, teilt sie dem Leser mit, macht sich ihre eigenen Gedanken und zum Schluss auch eigene Erfahrungen („Lisa und der himmlische Körper")- Von einem alten Ehepaar, der Mann längst in Rente und nun ein Blitzforscher, der hofft, dem Geheimnis der Kugelblitze auf die Spur zu kommen („Die Umgebung von Blitzen")- Von Nette, einem jungen Mädchen, das eine Wohnung bewachen soll („Zickzack oder Die sieben Todsünden").- Von dem Mann, dessen Frau fort ist und der für die Kinder seiner Schwester ein Puppenhaus baut („Puppenwelt")- Von der jungen Frau, die die Welt, die Geschichten ihrer Lover aussaugt („Vampire")- Von der jungen Frau, die eine alte Schulfreundin trifft, die immer mehr Kontakt zu ihr und ihrem Mann sucht. Bald vermutet der Leser eine Dreiecksgeschichte, aber dann ... („die Übergabe")Aber keine dieser Geschichten hat die Intensität der ersten, hat mich als Leser derart in den Bann geschlagen. Sie sind nicht schlecht geschrieben, nicht langweilig, aber es fehlt die Intensität, die Nähe, die Spannung der ersten und ich kenne jede Menge Erzählungen, die schlechter sind.Die letzten Geschichte („die Übergabe") wäre eigentlich sehr, sehr gut, eine scheinbare „Dreiecksgeschichte", die dann einen ganz eigenen Verlauf nimmt. Aber trotz anfänglicher Spannung fehlt ihr der Kick der ersten, was vermutlich an der gleichmäßigen Distanz liegt, aus der erzählt wird. Als Leser sehe ich quasi die ganze Zeit die Halbtotale, das, was die Erzählerin antreibt, bleibt im dunkel, erschließt sich mir nicht, dem komme ich nie nahe.Ein ähnliches Problem hat auch die zweite Geschichte („Lisa und der himmlische Körper"), die wir aus der Perspektive einer Freundin erfahren, die das ganze nicht erlebt hat und uns quasi gleich doppelt von dem Geschehen fernhält. Auch hier wäre ein Wechsel der Kameraeinstellung, der Nähe, wohl vorteilhaft gewesen. Denn auch diese Erzählung hat Potenzial, das meiner Meinung nach nicht völlig ausgenutzt wurde. Vielleicht ist sie einfach in den anderen Geschichten dem Irrtum so vieler aufgesessen, Literatur ist, wenn man die Personen aus immer der gleichen Entfernung schildert?Klingt das etwas enttäuscht? Es ist es und ist es auch nicht. Denn allein die erste Erzählung wäre den Preis des Buches wert. Und auch die anderen sind nicht 08/15 im üblichen Sinne, haben aber handwerkliche Mängel, die dazu führen, das sie auf mich nicht den Zauber ausüben, wie die erste, wie „Krieg oder Frieden", eine Geschichte, die mir lange im Kopf herumgegangen ist. Möglicherweise würde in der Umgebung von „Krieg oder Frieden" auch jede andere Erzählung blass bleiben, einfach, weil diese so gut ist?Fazit: Silke Scheuermann kann schreiben, gar kein Zweifel. Bleibt zu hoffen, dass sie durch das - sicher bald einsetzende - Lob nicht auf einer Erzählschiene festgehalten wird, nicht immer nur das Gleiche aufs Neue probiert.(C) Hans Peter Roentgen